Leitlinie für die Skelettszintigraphie

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Michaela

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Leitlinie für die Skelettszintigraphie
« Antwort #1 am: März 25, 2004, 12:39:20 Nachmittag »

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Zielsetzung

Ziel dieser Leitlinie ist die Unterstützung des Nuklearmediziners bei der Indikationsstellung, Durchführung, Beurteilung und Befunderstellung der Skelettszintigraphie  

Hintergrund und Definitionen

1 Die Skelettszintigraphie ist ein diagnostisches bildgebendes Verfahren, welches die Verteilung eines osteotropen Radiopharmazeutikums in planarer und ggf. auch tomographischer Technik wiedergibt
 
2 Bei der Ganzkörperskelettszintigraphie (GK-Sz) werden planare Aufnahmen des Achsenskeletts in anteriorer und posteriorer Sicht sowie anteriore oder posteriore Aufnahmen weiterer Skelettabschnitte erstellt. Nach Bedarf werden auch weitere Projektionen aufgezeichnet
 
3 Die Teilkörperskelettszintigraphie (TK-Sz) bildet nur Abschnitte des Skeletts ab
 
4 Die Knochen-SPECT erzeugt Schnittbilder einzelner Skelettabschnitte
 
5 Die Mehrphasen-Skelettszintigraphie setzt sich üblicherweise aus Perfusions-, Blutpool- (bzw. Weichteil-) und Spätaufnahmen zusammen. Die Perfusionsuntersuchung stellt anhand einer raschen Folge planarer Szintigramme, die unmittelbar nach Tracerinjektion aufgezeichnet werden, den Blutfluß im interessierenden Körperabschnitt dar. Der Blutpool dieses Bereichs wird durch ein oder mehrere planare Szintigramme erfaßt, die 2-5 Minuten nach Injektion aufgezeichnet werden. Alternativ bzw. ergänzend kann durch einen schnellen Ganzkörper-Scan auch die Verteilung des regionalen Blutvolumens im gesamten Körper erfaßt werden. Die Spätaufnahmen können sich auf interessierende Körperabschnitte (TK-Sz) oder aber das gesamte Skelett (GK-Sz) erstrecken, in planarer oder tomographischer Technik erstellt sein und werden 2-5 Stunden nach Injektion aufgezeichnet. Bei Bedarf können zusätzliche Spätaufnahmen bis 24 Stunden p. i. erstellt werden. Im allgemeinen wird die Mehrphasen-Skelettszintigraphie zur Diagnostik von Veränderungen an den Extremitäten verwendet (Seitenvergleich!), am Stamm ist sie nur in seltenen Indikationen sinnvoll anwendbar

Wesentliche Indikationen

Da metabolische Veränderungen morphologischen Befunden üblicherweise vorausgehen, kann die Skelettszintigraphie pathologische Befunde oft früher entdecken als dies durch andere Untersuchungen (z.B. konventionelle Röntgenaufnahmen) möglich ist. Überdies erlaubt die Ganzkörperskelettszintigraphie eine Beurteilung des gesamten Skeletts.
Die Skelettszintigraphie kann bei verschiedenen Patientengruppen (Kinder, Erwachsene, symptomatische/ asymptomatische Patienten) indiziert sein. Vor ihrer Durchführung sollten jedoch einige Aspekte beachtet werden:
(a) die Wahrscheinlichkeit eines pathologischen Befundes unter Berücksichtigung des klinischen Bildes,
(b) ist die Skelettszintigraphie zu diesem Zeitpunkt die günstigste Untersuchungsmethode,
(c) die Relevanz der Untersuchung- für die weitere Behandlung. Die Skelettszintigraphie wird oft bei der Therapieplanung oder -kontrolle von Tumorerkrankungen eingesetzt.  Histologie und klinisches Tumorstadium sollten daher bekannt sein, um die Wahrscheinlichkeit einer Skelettmetastasierung abschätzen zu können.
Im folgenden wird eine unvollständige Liste klinischer Situationen wiedergegeben, in denen eine Skelettszintigraphie indiziert ist.  Der angegebenen Reihenfolge liegt keine Wertung zugrunde. Auch ist die Skelettszintigraphie in diesen Fällen nicht notwendigerweise das primäre bildgebende Verfahren.

1 Nachweis und Lokalisation nicht aber Artdiagnostik primärer und sekundärer benigner und maligner Tumoren der Knochen
2 Konventionell radiologisch nicht fassbare Frakturen (z.B battered child, Ma###-, Stressfrakturen)
3 Osteomyelitis, Protheseninfrektion, Prothesenlockerung
4 Avaskuläre Nekrosen
5 Arthritiden
6 Algodystrophie (M. Sudeck, Sympathische Reflexdystrophie, Komplexes regionales Schmerzsyndrom- CRPS)
7 Knocheninfarkte
8 Vitalität von Knochentransplantaten
9 Unklare Knochenschmerzen
10 Beurteilung des regionalen Knochenstoffwechsels vor einer Schmerztherapie mit osteotropen Radiopharmaka

Primär osteoklastische Knochenveränderungen ohne hyperaktiven Randsaum werden mit der Skelettszintigraphie üblicherweise nicht erfaßt.

Durchführung

A   Patientenvorbereitung

Prinzip und technische Durchführung der Untersuchung sollten dem Patienten im voraus erklärt werden. Sofern nicht kontraindiziert, sollten die Patienten gut hydriert sein und aufgefordert werden, mindestens einen Liter Flüssigkeit zwischen Injektion und Spätaufnahmen zu sich zu nehmen. Der Patient sollte vor Aufnahmebeginn seine Blase entleeren und nach der Untersuchungsende noch für mindestens 24 Stunden reichlich trinken
    
B   Notwendige Vorinformation

1   Fragestellung an die Knochenszintigraphie
2   Anamnese bezüglich Frakturen/Traumata, Osteomyelitis, Arthritis, Weichteilinfekte, Ödeme, maligne Tumoren, metabolische Knochenerkrankungen, Funktionsstörungen (Ruhigstellung, Schienung, Gips) von Körperteilen. Bei Frakturen/Traumata Angabe des Unfalltags
3   Aktuelle Symptome, körperliche Untersuchungsbefunde
4   Kurz zurückliegende nuklearmedizinische Untersuchungen, insbesondere mit mittel- und hochenergetischen Nukliden ( z.B. J-131, Ga-67, In-111)
5   Befunde früherer Skelettszintigraphien
6   Befunde bildgebender Voruntersuchungen (z. B. konventionelles Röntgen, CT, MRT)
7   Frühere Therapiemaßnahmen, die den szintigraphischen Befund beeinflussen könnten (z.B. Antibiotika, Steroide, Chemotherapie, Radiotherapie, Diphosphonate, Eisentherapie, Zytokine)
8   Frühere orthopädische (z. B. Implantation von Endoprothesen) oder nicht-orthopädische Operationen (z.B. Ileum-Conduit), die das Ergebnis der Skelettszintigraphie beeinflussen könnten
9   Wichtige Laborergebnisse (z. B. PSA-Spiegel bei Prostatakarzinomen)
10   Anatomische oder funktionelle Auffälligkeiten der Nieren
    
C   Vorsichtmaßnahmen/Kontraindikationen

1   Bei Vorliegen einer Schwangerschaft ist die Skelettszintigraphie nicht grundsätzlich kontraindiziert. Die Indikationsstellung muß jedoch sehr streng erfolgen und auf einer individuellen Abwägung zwischen dem erwarteten Nutzen und dem theoretischen Strahlenrisiko durch die Untersuchung basieren
2   Bei Frauen in der Stillphase sollte für 48 Stunden eine Brustfütterung des Kindes unterbleiben
    
D   Radiopharmaka

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E   Datenakquisition

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F   Interventionen

Durch überlagernde Blasenaktivität kann die Beurteilung des Beckens erschwert sein.  Bei Patienten mit einer Symptomatik im Becken sollten in diesen Fällen eine oder mehrere der folgenden Projektionen zusätzlich aufgezeichnet werden
1   Wiederholungsaufnahme nach Blasentleerung
2   Aufnahme sitzend auf dem Detektor oder schräge Projektion
3   Seitliche Projektion
4   24-Stunden-Spätaufnahme
5   Becken-SPECT: Empfehlenswert sind eine einzelne oder- mehrere schnelle Akquisitionen (5-10 Minuten pro Akquisition), um Rekonstruktionsartefakte aufgrund von Änderungen der Blasenaktivität während der Untersuchung zu vermeiden
6   Aufnahmen unmittelbar nach Blasenkathetherisierung (Nur nach strenger Indikationsstellung, d.h. bei Patienten, für die eine exakte Beurteilung des Beckens klinisch relevant ist!)
    
G   Datenauswertung

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H   Befundung und Dokumentation

Kenntnis der Anamnese und körperlicher Befunde sind für eine korrekte Interpretation der Skelettszintigraphie unverzichtbar. Zusätzlich kann die Einsichtnahme in die Krankenakte sowie die Rücksprache mit dem überweisenden Arzt hilfreich sein, um die Untersuchung optimal zu planen. Wenn erforderlich und sinnvoll, sollten pathologische Befunde der Skelettszintigraphie mit den Ergebnissen anderer bildgebender Verfahren verglichen werden.
1   Beurteilung der technischen Qualität der Untersuchung (ungenügend, genügend jedoch suboptimal, optimal). Wird die Untersuchung nicht als technisch optimal angesehen, sollten die Gründe genannt werden. Eine exakte Methodenbeschreibung ist Teil der Befundung.
2   Bewertung des Verhältnisses zwischen Zielgewebe (Knochen) und Untergrund (Weichteile), im Fall von Therapiekontrollen ggf. Quantifizierung.
3   Beurteilung der Weichteile bezüglich pathologischer Befunde (Areale vermehrter oder verminderter Radioaktivitätsspeicherung).
 a  Intensität der Nierenaktivität, Nierenform, Radioaktivitätsverteilung in den ableitenden Harnwegen
 b  Residuale Blasenaktivität nach Miktion
4   Bewertung und Beschreibung der Radioaktivitätsverteilung im Skelett hinsichtlich pathologischer Befunde (Mehr- oder Minderspeicherungen) nach:
 a  anatomischer Lokalisation
 b  Befundverteilung (fokal, diffus; Verteilungsmuster; verminderte, vermehrte Speicherung, Anzahl der abnormen Befunde)
 c  Form der Speicherherde
 d  Qualitative und quantitative Veränderungen im Zeitverlauf
5   Die Befunde der Perfusions- und Blutpoolphase (Weichteil) sowie die Ergebnisse der SPECT sollten gemäß 1. - 4. interpretiert werden.
Die Bilddokumentation der statischen Szintigramme sollte im allgemeinen in S/W erfolgen.
Hinsichtlich der allgemeinen Richtlinien zur Befunderstellung siehe Richtlinie über allgemeine Bildgebung
 
I   Qualitätssicherung

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J   Fehlerquellen

1   Urinkontamination oder externe Urinableitung
2   Fehlinjektion/Radioaktivität an Tupfern, Verbandmaterial, arterielle Injektion etc
3   Implantate, Kontrastmittel oder andere schwächende Materialien, die die Darstellung normaler Strukturen verändern
4   Homogen erhöhte Knochenspeicherung (sog. Super-Scan)
5   Bewegungen des Patienten während der Akquisition
6   Zu großer Abstand zwischen Kollimator und Patient
7   Zu frühe Szintigraphie
8   Artefakte durch Lagerungshilfen (Weichteilkompression, Kameratisch)
9   Frühere Applikation höher energetischer Radionuklide (J-131, Ga-67, In-111) oder einer Tc-99m markierten Substanz mit einer Organananreicherung, die die Skelettbeurteilung behindert
10   Radioaktivität außerhalb des Patienten (Kontaminationen der Untersuchungsliege, Kleidung etc.)
11   Beschränkung auf Teilkörper-Szintigramme (unerwartete Herde werden nicht erfaßt)
12   Instabilität des Radiopharmazeutikums
13   Änderung der Blasenaktivität während einer SPECT des Beckens
14   Osteoklastische Läsionen
15   Beckenherde, die durch Blasenaktivität überlagert werden

Autoren:
Wilma Maschek, Dr., Institut für Nuklearmedizin und Endokrinologie, AKH Linz
Thomas Leitha, Prof. Dr., Institut für Nuklearmedizin und Endokrinologie, Donauspital, Wien
Quelle: http://www.ogn.at/ske_szin.html
« Letzte Änderung: August 21, 2005, 02:41:48 Vormittag von luca »
Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind:
Das Universum und die menschliche Dummheit.
Wobei ich mir beim Universum nicht ganz sicher bin.
Albert Einstein